SALZBURGER FESTSPIELE 20. Juli – 30. August 2018

Programmdetail

Wolfgang A. Mozart • La clemenza di Tito

Opera seria in zwei Akten KV 621 (1791)
Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà nach dem gleichnamigen Libretto (1734) von Pietro Metastasio

Neuinszenierung
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Koproduktion mit der Dutch National Opera, Amsterdam, und der Deutschen Oper Berlin

Bildergalerie

BILDERGALERIE

PREMIERE

  • 27. Juli, 18:30 Uhr

AUFFÜHRUNGEN

  • 24. Juli, 13:30 Uhr
  • 30. Juli, 19:00 Uhr
  • 04. August, 19:00 Uhr
  • 13. August, 19:00 Uhr
  • 17. August, 15:00 Uhr
  • 19. August, 15:00 Uhr
  • 21. August, 18:30 Uhr

SPIELSTÄTTE

Felsenreitschule

LEADING TEAM

Teodor Currentzis, Musikalische Leitung
Peter Sellars, Regie
George Tsypin, Bühne
Robby Duiveman, Kostüme
James F. Ingalls, Licht
Antonio Cuenca Ruiz, Dramaturgie

BESETZUNG

Russell Thomas, Tito Vespasiano
Golda Schultz, Vitellia
Christina Gansch, Servilia
Marianne Crebassa, Sesto
Jeanine De Bique, Annio
Willard White, Publio
musicAeterna Choir of Perm Opera
Vitaly Polonsky, Choreinstudierung
musicAeterna of Perm Opera

ZUR PRODUKTION

„Nehmt mir entweder die Herrschaft oder gebt mir ein anderes Herz“

Titus Flavius Vespasianus, römischer Kaiser – ist er noch „mitten unter uns“? Ist, nach 2000 Jahren, seine Tugend noch ein Leitstern, zu mild, um wahr zu sein? Kann eine Oper über diesen edelmütigen Imperator, vor mehr als 200 Jahren entstanden, noch ein anderes als das bloß musikhistorische Interesse wachrufen? Eine Opera seria zumal, die im Barock zur Feier herrschaftlicher Größe und aristokratischer Überlegenheit geprägt wurde: die Könige und Kaiser zu rühmen, wie sie sein sollten, aber selten waren; wie sie gesehen werden wollten, aber niemals aussahen.

Die Opera seria ist mit dem Zeitalter des Absolutismus, das sie repräsentiert, nicht untergegangen. Diese anachronistische Kunstform hat sich chamäleonartig und vieldeutig den verschiedensten Epochen angepasst. Ihrer ursprünglichen Idee (oder Ideologie) gemäß war sie staatstragend, unpersönlich und streng formalisiert, wurde mit dem Wechsel der Zeiten jedoch als gesellschaftskritisch, subjektiv, chaotisch und subversiv wahrgenommen und mit Romantik, Psychoanalyse, Pop und Politik vermengt. Schon Mozart begann damit.
Ausgerechnet im Revolutionsjahr 1789 erhielt er den Auftrag zu einer neuen Oper für Prag, die dort zwei Jahre später, am 6. September 1791, im Rahmen und am Rande der Krönung Kaiser Leopolds II. zum böhmischen König uraufgeführt wurde. Auftraggeber und Vertragspartner des Theaterprinzipals waren die böhmischen Stände, denen die Wahl des Komponisten komplett egal, dafür die Prominenz der Sänger und die Opulenz der Kulissen enorm wichtig waren: ein Fall von zeitloser Ignoranz.
Schließlich wurde auch noch ein fast 60 Jahre altes Libretto zur Vertonung auserkoren: La clemenza di Tito des verstorbenen kaiserlichen Hofpoeten Pietro Metastasio. Das Loblied auf die Güte und Milde des römischen Herrschers Titus und auf den Sieg der Vernunft hatten zuvor bereits Antonio Caldara, Johann Adolf Hasse, Christoph Willibald Gluck, Niccolò Jommelli und Baldassare Galuppi in Musik gesetzt. Doch Mozart ließ das leicht antiquierte Buch durch einen anderen Hofdichter, den in Dresden wirkenden Caterino Mazzolà, grundlegend erneuern. „Opera Seria in Due Atti – ridotta à vera opera“, notierte Mozart in sein Werkverzeichnis: in eine „wahre Oper“ verwandelt, namentlich durch Straffung des Textes, Entschlackung der Handlung und Umwandlung von Arien zu Ensembles. Und vor allem durch Mozarts höchst individualisierte, psychologisch einleuchtende Musik.
Der Titus schrieb eine eigentümliche Erfolgsgeschichte. Als Krönungsoper kam er in die Welt, um binnen weniger Jahre alle höfische Repräsentation, Festakt und Fürstenspiegel hinter sich zu lassen und in die bürgerliche Kultursphäre einzukehren, in die Gefühlswelt einer neuen Generation, die „ihren Mozart“ buchstäblich verinnerlicht hatte, selbst den Mozart der „alten Zeit“, der Opera seria und der habsburgischen Huldigungsmusiken. Der Dichter Eduard Mörike jedenfalls kannte La clemenza di Tito in- und auswendig. Dem Rondo des Sesto aus dem zweiten Aufzug widmete er ein anrührendes Gedicht, dem er als Zitat den Beginn der Arie voranstellte, in Noten und in Worten: „Ach nur einmal noch im Leben laß dein Herz mir offenstehn“.

Der Kaiser, der sein Volk versöhnt, den Staat befriedet und selbst dem Attentäter verzeiht, dem unglücklichen Sesto: In dieser unbeirrbaren rationalen Humanität erkennt der amerikanische Regisseur Peter Sellars das höchste Ideal, das Europa sich selbst vorspielt und vorhält, das Äußerste an Zivilisation und Aufklärung. „Wie können wir in einer Zeit des Konflikts zusammenleben?“, fragt er. „Wie ist es möglich, in einer Zeit, die voller Zorn ist, eine heilende Geste anzubieten?“ Peter Sellars und der Dirigent Teodor Currentzis schreiben die Geschichte von Mozarts La clemenza di Tito für ihre Salzburger Produktion fort, arbeiten sie abermals um und erweitern die „vera opera“ auch im Sinne Mozarts perspektivisch. So steht Mozarts Titus nach 2000 Jahren mitten unter uns, und es wäre unverzeihlich, ihm nicht zuzuhören.

Wolfgang Stähr

SPONSOREN

Orchestra sponsor NOVATEK
Production sponsor Solway Investment Group

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