SALZBURGER FESTSPIELE 21. Juli – 30. August 2017

Programmdetail

Gaetano Donizetti • Lucrezia Borgia

Melodramma in einem Prolog und zwei Akten (1833)
Libretto von Felice Romani nach dem Drama Lucrèce Borgia (1833) von Victor Hugo

Konzertante Aufführung
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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LEADING TEAM

Marco Armiliato, Musikalische Leitung

BESETZUNG

Ildar Abdrazakov, Don Alfonso
Krassimira Stoyanova, Donna Lucrezia Borgia
Juan Diego Flórez, Gennaro
Teresa Iervolino, Maffio Orsini
Mingjie Lei, Jeppo Liverotto
Ilker Arcayürek, Oloferno Vitellozzo
Gleb Peryazev*, Apostolo Gazella
Ilya Kutyukin*, Ascanio Petrucci
Andrzej Filończyk, Gubetta
Andrew Haji, Rustighello
Gordon Bintner, Astolfo
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Mozarteumorchester Salzburg

ZUR PRODUKTION

„Er war mein Sohn, meine Hoffnung, mein Trost …“

Maffio Orsini versteht sich aufs Feiern: Bei einem Fest in Ferrara stimmt er, von seinen Freunden unterstützt, ausgelassen ein Trinklied an, da erklingen von fern plötzlich Glockenschläge und Totengesänge. Bald verlöschen die Lichter, und schwarzgekleidet erscheint Lucrezia Borgia, um den jungen Patriziersöhnen triumphierend den Tod zu verkünden: Das mit dem Wein verabreichte Gift werde rasch wirken, Särge stehen schon bereit.
Der jähe Umschlag von fröhlichem Treiben in Todesgrauen im Schlussbild von Donizettis Lucrezia Borgia (1833) jagt Schauer über den Rücken. Es ist nicht der einzige Moment dieser Oper, der die Wirkung von Victor Hugos Kontrastästhetik durch die Musik noch übersteigert. Im Vorwort zu seinem Renaissance-Drama Lucrèce Borgia sprach sich Hugo – Idol der jungen, „romantischen“ Komponisten Italiens – ja dafür aus, Gegensätze kühn zu kombinieren: Festliches und Makabres, Tragisches und Komisches.
Gegensätze prägen aber nicht nur die szenischen Situationen, sondern auch die Titelfigur selbst: Sie ist einerseits ein mordendes Ungeheuer, andererseits eine Frau, die von einem Dasein als liebende Mutter träumt. Das Glück, das Lucrezia im Prolog in Gegenwart ihres in Venedig aufgespürten, nichtsahnenden Sohnes Gennaro durchlebt, währt nur einen Moment, denn Gennaros Freunde erkennen die verhasste Frau und stellen sie bloß. Lucrezia wird diese verletzende Demütigung nicht vergessen. Fatalerweise aber trifft ihre grausame Rache unbeabsichtigt auch Gennaro. Mit der Finalszene zwischen Lucrezia und ihrem tödlich vergifteten Sohn fügte Donizetti seiner Oper eine weitere starke Situation hinzu, musikalisch mit jenem Sinn für dramatische Spannung, jener Ausdrucksintensität der Melodie und jener rhetorischen Prägnanz gestaltet, die ihren Einfluss auf den jungen Verdi nicht verfehlten.

Christian Arseni

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